Montag, 5. Dezember 2011

Tag 91: Mount Elgon - Die Challenge meines Lebens

Nach fast drei Monaten in Uganda startete am 25.11 unser erster richtiger Kurz-Urlaub.
Die letzten Wochen auf Arbeit waren hauptsächlich durch die Vorbereitung und Planung der Weihnachtsfeier geprägt. Wir hatten mit den Kindern während der Centre-Zeit ein Fingerfarben-Malprojekt gestartet und die entstandenen Kunstwerke wollten zu Weihnachtsgeschenken für die Eltern verarbeitet werden. Außerdem machten wir von allen Kindern mit Hilfe von Salzteig einen Handabdruck, welcher dann auf der Weihnachtsfeier zusammen mit Eltern und Geschwistern bunt verziert werden sollte. Nebenbei lief der gewohnte Alltag mit einer Menge an Weihnachtsliedern weiter, schlechtes Wetter und wenig Freizeit ließen meinen Körper nach einer kurzen Auszeit schreien.
So machten wir uns hochmotiviert am Freitagabend mit großem Reiserucksack auf den Weg nach Mbale zu Tobi und Hannah. Mbale liegt im Osten von Uganda am Fuß des Mt. Elgon und ist eine sehr kleine und gemütliche Stadt mit einem ganz persönlichen Charme, den hier aber jeder Ort besitzt. Durch den ständigen Regen in den letzten Wochen war es jedoch bis 12 Stunden vor Beginn unserer Tour nicht sicher, ob wir überhaupt starten können und ich kann nur sagen in Deutschland wären wir nicht gestartet. Aber als Samstagabend gegen 18Uhr endlich per Telefon grünes Licht gegeben wurde fiel alle Anspannung von mir und ich war überglücklich mich in dieses Abenteuer stürzen zu dürfen.
Am Sonntag hieß es um 4Uhr aufstehen, Tasche fertig umpacken und nach einem kurzen Frühstück los zur Red Cross Branche, an der es eigentlich um 6Uhr losgehen sollte. Doch wir sind ja in Uganda und da läuft bekanntlich alles etwas anders. Nach dem das Essengeld eingesammelt wurde mussten die Organisatoren erst noch einkaufen gehen, so dass sich die Abfahrt auf um 11 Uhr verschob. Endlich mit 17 Mann/Frau in ein Matatu gequetscht ging es dann los in Richtung Mount Elgon. Durch den vielen Regen begannen wir unseren Aufstieg schon 3 Kilometer vor dem eigentlich geplanten Startpunkt, da das Matatu nicht weiter kam, und fingen so die letzten Sonnenstrahlen für die nächsten 4 Tage ab. Ich kann von Glück reden, dass ich mir am Samstag in Mbale noch Wanderschuhe (für 30.000 UGX) gekauft hab, denn die brauchte ich jetzt wirklich. Nach den ersten Stunde verließen wir die Straße, die sich durch kleinen Dörfern hindurch schlängelte, und begannen den Aufstieg auf einem kleinen Pfad über Wiesen und Felder. Ich weiß gar nicht genau wie ich diese 4 Tage zusammen fassen soll. Ich könnte über jeden Schritt, anfangs kraftvoll und leicht am Ende schmerzhaft und schwerfällig, über jede Pflanze, von Wiesen über Felder, Regenwald- und Bambushaine zu Bergblumen und Felslandschaft über jede Schweißperle und jeden Gedanken schreiben, aber das wäre einfach zu lang.
Am ersten Tag sollten wir eigentlich bis zum zweiten Bergcamp kommen, welches auf einer Höhe von 3.500m liegt. Durch den verspäteten Start machten wir jedoch nach 14 km und 2000 Höhenmetern im Sasa-Camp auf 2900m Höhe Stopp. Wir erreichten das Camp gegen 9 Uhr abends, was bedeutet das wir im Dunkeln durch den Regenwald gestampft sind und ja es war schon ein wenig gruselig. Aber in der Dämmerung habe ich meinen ersten Affen gesehen, zwar nicht gut, sondern eher sich bewegenden Körper, aber ich finde das zählt trotzdem. Zum Essen gab es dann heißen Tee sowie Reis mit Fleisch und völlig geschafft ließen wir uns jeweils zu zweit in ein Bett in der Holzhütte sinken. Das Feuer spendete Wärme und eine Menge Rauch und ich hatte teilweise ein wenig Angst zu ersticken, aber wir wachten alle wieder auf. Früh am nächsten morgen ging es nach einem kleinen Frühstück aus 2 Kartoffeln weiter den Berg hinauf zum eigentlichen Camp. Nach 4h, 5 km und 600 Höhenmeter kamen wir im Mude-Camp an. Die eigentliche Tour zu den Wasserfällen wurde wegen Regen ausgelassen und wir ruhten uns ein wenig aus. Leider wählte ich zum Schlafen das Haus ohne Feuer und konnte auf Grund der Kälte (nur 6Grad) die ganze Nacht kaum schlafen. Am dritten Tag ging es dann zu Spitze nur mit Wasser und Snacks beladen erklommen wir in nur 3,5h die 9km entfernte Spitze. Wagagi liegt auf 4321m Höhe. Die Aussicht war leider durch den Nebel beschränkt, aber das Gefühl den Berg doch noch bezwungen zu haben war wirklich sehr belebend, trotz eisiger Kälte. Nach einer Stärkung mit Kräckern, Käse und Bier ging es wieder zurück zum Camp und diesmal verbrachte ich die Nacht am Feuer.
Ich dachte nun hätte ich es geschafft, aber ich hatte den Abstieg vergessen. Nach 4 Tagen non-stop Regen war der komplette Pfad aufgeweicht und matschig. Ich weiß nicht wie oft ich gefalle, ausgerutscht oder gestürzt bin, aber ich glaube für mich persönlich war dieser Teil der Strecke der Härteste. Meine Beine schmerzten schon nach der ersten Stunde und die Sohle meiner Schuhe verabschiedete sich auch. Meine Hose war mit einer dicken Schlammschicht überzogen und die Pfade, auf denen wir liefen sahen eher auf wie kleine Bäche. Aber das wichtigste: Ich bin heil oben und unten angekommen und noch viel wichtiger: ich hatte Spaß und bin trotz der härtesten körperlichen Anspannung entspannt und glücklich.
Bilder - ein Versuch die Eindrücke weiter zu geben
Am selben Abend ging es für mich und Julia dann aber auch schon leider wieder zurück nach Kampala und es hieß Donnerstag und Freitag und Samstag arbeiten, denn am Samstag war die Weihnachtsfeier im Dawn-Centre, die ein voller Erfolg war. Mit Tanzen, Singen, sehr gutem Essen, vielen Kindern und gutem Wetter verlief das Fest zwar stressig, aber wunderschön. Sogar Santa Claus kam vorbei, obwohl ich glaube, dass er bei 25Grad und Sonne ziemlich geschwitzt hat;)
Dawn-Weihnachtsfeier
Leider kam trotz der schönen Feier wenig Weihnachtsstimmung in mir auf, dabei versuchen ich und Julia wirklich alles. Kerzen, Adventskalender, Weihnachtslieder-aber ich glaube dies Jahr wird das nicht so richtig was mit Weihnachten.

Als nächster Höhepunkt steht in zwei Wochen die Reise nach Sansibar an und ich werde hoffentlich ganz viel entspannen können. Weihnachten im Bikini am Strand:)
Ich drück euch ganz lieb!
eure Maggi

3 Kommentare:

  1. Erstmal, wo sind denn deine Zoepfe? Sah doch so gut aus.......
    Tolle Tour auf den Berg, schade, dass das Wetter nicht besser war.
    Hier kommt auch keine Weihnachtsstimmung auf, wie auch, wenn man im T-Shirt schwitzend britische Weihnachtslierder hoeren muss ;-) Ich habe glaube ich das erste Mal in meinem ganzen Leben Nikolaus verpasst :-(
    Toller Adventskalender!
    Wuensche trotzdem frohe Vorweihnachtszeit
    Susi

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  2. Hast du den Affen nach dem Essen auch noch mal gesehen? Ich frag nur so interessehalber. ;)
    Außerdem finde ich, dass 2000 Höhenmeter durchaus ausreichend sein. Das unterschätzt man schnell, wenn ich mich recht an Ostern in der Schweiz erinnere. Kompliment fürs durchhalten!
    Ob der Bikini dabei hilft Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen halte ich für fraglich. Aber eine ganz neue Erfahrung ist es alle mal. :)
    und nun geh ich mal Bilder gucken...

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  3. Nachtrag:
    Wenn deine Schuhe nicht wasserdicht sind, zieh einfach Plastiktüten über die Socken und dann in die Schuhe. So werden die Schuhe zwar trotzdem nass, aber die Füße nicht. Ich sprech da aus Erfahrung. :)
    Und bergab auf diesen matschigen Wegen gehört die Tüte halt untern Po und ab die Post. Das hab ich allerdings noch nicht... ;)

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