Donnerstag, 26. Januar 2012

Tag 143: Ein Wochenende auf dem Lande

Hallo meine Lieben!
Heute möchte ich euch von meinem letzten Wochenende berichten. Wer fleißig meinen Blog verfolgt kennt bereits unseren Freund Elijah, dem wir dank eurer Hilfe erfolgreich die Weiterführung seine Studiums ermöglichen konnten. Als Dankeschön an uns wurden wir von ihm und seiner Familie in sein Heimatdorf im Westen von Uganda eingeladen. Es waren wunderschöne Tage, die wir mit Elijahs Familie und Freunden erleben durften und ich bin mir sicher, dass sie mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Am Donnerstag nach der Arbeit ging es mit Elijah zusammen mit dem Bus auf die Reise. Busfahren sind wir ja mittlerweile gewöhnt und so waren wir gut mit Wasser, Keksen, Büchern und Musik versorgt. Gegen 22 Uhr erreichten wir, mit einem Auto, dass der Vater extra für uns bestellt hatte, weil er Angst hatte uns im Dunkeln mit den "öffentlichen Verkehrsmittel" reisen zu lassen, das Haus der Eltern. Mit einer Tasse afrikanischen Tees und vielen freundlichen Worten wurden wir begrüßt. Scheue Kinderaugen, interessierte Blicke der Eltern, ein Lächeln auf jedem Gesicht und ein herzlichen Wiedersehen zwischen Elijah und seiner Familie, die sich seit 9 Monaten nicht gesehen hatten. Im Schein einer Petroleumlampe wurde ein überaus reichliches Abendbrot zu sich genommen. Anschließend trafen wir uns alle zusammen im Wohnzimmer um zu beten. Viele Worte des Dankes, Bitten und Wünsche erfüllten den fast dunklen Raum. Auf dem Dorf gibt es kein Strom und kein fließend Wasser. Da die Latrine hinter dem Haus ist bekamen wir für die Nacht einen Eimer, denn die Mutter wehrte sich mit Händen und Füßen, dass wir mitten in der Nacht alleine in der Dunkelheit auf Toilette gehen. Mit dem guten Gefühl willkommen zu sein und mit gut gefülltem Magen fielen wir müde in unser Doppelbett.

Familienmitglieder:
Die Familie besteht aus zwei großen Töchtern, dann kommt Elijah, darauf folgt sein Bruder Derick und schließlich die 9 Jahre jüngere letzte Tochter Itscherisa. Nur noch die jüngste Tochter wohnt bei den Eltern. Die Schulen hier sind alle Internat ähnlich aufgebaut, d.h. meist in der nächst größeren Stadt gelegen, so dass die Kinder für drei Monate dort wohnen und dann für die Ferien nach Hause gehen. Aber trotzdem ist das Haus nicht leer, denn es wohnen noch zwei Kinder einer Tante und zwei Waisenkinder bei der Familie. Sarah hat Probleme mit den Augen ist aber eine unglaublich gute Köchin und greift der Mutter im Haushalt unter die Arme. Der kleine Waisenjunge ist HIV positiv, auf Medikamente eingestellt, das blühende Leben und geht mit der Cousine zusammen in die Schule im Dorf.

Am nächsten Morgen startete auch für uns das typische Dorfleben und wir wurden von Anfang an mit einbezogen, aber auch immer wieder verwöhnt. Duschen mit Schüssel und Wasserkanister (extra für uns warmes Wasser). Uns erwartete erneut ein reichlich gedeckter Tisch und alles, wirklich alles, war aus eigenem Anbau! Bananen, Milch, Eier, Obst aller Art. Das ganze Wochenende ernährten wir uns eigentlich ausschließlich von Nahrungsmittel aus eigenem Anbau. Unglaublich wie toll das ist und wie schade es ist, dass wir in Deutschland durch die Jahreszeiten nicht die Möglichkeit haben das ganze Jahr über an zubauen oder überhaupt durch das Klima begrenzt sind. Anschließend starten wir unsere geplante Tour zu den heißen Quellen. Zu Fuß ging es los und sahen zum ersten Mal bei Tageslicht die Umgebung. Riesige Bananenplantagen, denn jedes Haus besitzt auf dem Land ein riesen Grundstück auf dem, wie schon gesagt, alles angebaut wird. Mit der Sonne im Gesicht wanderten wir bis zum nächsten Dorf. Frische Luft, ungewöhnliche Pflanzen, Männer beim Matoke ernten, immer wieder grüßende Leute und neugierige Gesichter. Weiter ging es später dann mit dem Auto bis zu den heißen Quellen, über bergige und sandige Straßen. Wegen der Trockenzeit ist es gerade überall unglaublich staubig. Viele Leute sprechen den Quellen heilende Kräfte zu und so fanden wir ein relativ kleines Gewässer, in dem eine großen Anzahl an ugandischen Leuten lag. Als wir ankamen klauten wir den Quellen fast die ganze Aufmerksamkeit und als wir uns letztendlich umzogen und uns zu den anderen ins echt heiße Wasser gesellten waren alle Augen auf uns gerichtet. Ein Wunder der Natur diese Quellen und eine interessante Ansammlung an Menschen.
Auf dem Rückweg besuchten wir dann noch die Großmutter und sahen uns bei Zuckerrohr und Jackfruit Fotoalben der Familie an. Manche Dinge sind anscheinend welt- und kulturübergreifend:)
Wieder zu Hause angekommen stand die nächste Aufgabe an. Wasser holen! Ersteinmal wurde uns natürlich nichts zugetraut und so durfte ich erst einmal nur einen halbvollen Kanister schleppen. Im Gegensatz zu den Jungs, die mit zwei vollen den Berg zum Haus hoch stiefelten. Da ich mich aber anscheinend gar nicht so dumm und schlapp anstellte durfte ich am nächsten Abend einen ganzen 20 Liter Kanister tragen :) STOLZ
Anschließend wurden wir wieder mit ausreichend Essen versorgt und konnten so gestärkt für den nächsten Tag und die nächste Tour ins Bett gehen.
Auf dem Programm stand ein Wasserfall. Leider war es ein wenig ernüchternd für uns, denn der Wasserfall wird als Wasserversorgung genutzt und ist somit eigentlich nicht mehr vorhanden. Am Felsen hängen nur Rohre und Schläuche, die das saubere Trinkwasser in Tanks weiterleiten. Natürlich ist es besser die Leute in der Umgebung mit sauberen Trinkwasser zu versorgen, aber es war schon etwas schade. Allerdings wurden wir gleich darauf entschädigt. Denn wir erklommen den Berg des Wasserfalls und uns bot sich ein unglaublicher Blick. Dieses Land ist einfach eine Augenweide!
Auf dem Nach-Hause-Weg stoppten wir noch kurz bei Elijahs alter Schule. Echt interessant wie dort gelernt und gelebt wird. Es gibt verschiedene Häuser, die in sportlichen und schulische Aktivitäten gegeneinander antreten.
Der nächste Tag startete wie immer mit einem gemeinsamen Frühstück und anschließend gingen wir gemeinsam zu Kirche. 3Stunden Gottesdienst in der Landessprache, Liederbegleitung durch Trommeln und wir wurden extra vorgestellt. Es war eine Art Erntedankfest und so erschienen alle mit selbstangebauten Lebensmitteln. Wir brachten Zuckerrohr, Matokebananenunglaublichste Ersteigerung war eine Passionfruit (Maracuja) in der Größe einer Wassermelone (normalerweise sind die Dinger pflaumengroß). Zum Mittagessen kamen Verwandte und Freunde zusammen. Die älteren Herrschaften saßen drinnen am Tisch und wir aßen draußen unter einem Baum. Anschließend unternahmen wir eine kleine Radtour ins nächste Dorf. Eigentlich können auf dem Dorf nur die Jungs und Männer Fahrrad fahren und so waren wir, noch mehr als sonst, eine richtige Attraktion. Zwei Muzungus auf Fahrrädern. Und weil wir immer noch nicht müde waren ging es danach auf einer Wanderung durch die Umgebung. Die Schüchternheit und Scheu der Kinder hatte nachgelassen und so spazierten wir alle zusammen über die Wiesen. Am Abend grillten wir nach dem Essen zusammen mit den beiden Jungs Matoke-Bananen, Cassava und Mais auf dem Feuer, unterhielten uns und ließen ein wunderschönen Urlaub ausklingen. Am nächsten morgen hatte ich mich mit Itscherisa zum Milch holen verabredet. Bevor die beiden Jungs nach Kampala zum studieren zogen, hatte die Familie Kühe, die sie dann aber nicht mehr versorgen konnten und so an Nachbarn abgaben. Dort holen sie jetzt jeden Morgen kostenlos Milch. Desweiteren gab es zum Frühstück. Omlette aus den Eiern der eigenen Hühner und die Familie hat außerdem noch Schweine. Es ist ein richtiges Leben auf dem Lande und bei uns müssten diese Leute unglaublich reich sein. In Uganda auf dem Land heißt dieses riesen Stück Land, die vielen Tiere und ein Haus nichts. Außer, dass man seine Familie mit Nahrung versorgen kann und sich ums Überleben keine Sorgen machen braucht.
Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück fanden wir uns im Wohnzimmer zusammen und wurden mit Gebeten und einer riesigen Dankesrede des Vaters, die mich fast zu Tränen rührte, verabschieden. Wir maschiereten zur großen Straße und führen auf der Ladefläche eines Lasters auf Mehlsäcken sitzen zurück in die Stadt, von der wir unseren Bus nach Hause nahmen.
Was ich von diesem Wochenende auf dem Land mitnehme? Die Dankbarkeit eine so tolle Familie kennen gelernt zu haben, die Schönheit und Wunder der Natur gesehen zu haben, die Fähigkeit Kalo (poschoartiges Nahrungsmittel aus Hirsemehl und Wasser) zu zubereiten und den Wunsch die Familie und diesen Ort noch einmal zu Besuchen bevor ich wieder nach Deutschland muss.
ein Bilderbuch
So zum Abschluss noch ein kleines Ratespiel:
Wer weiß was das ist?

Viel Spaß!
Bis ganz bald
eure Maggi

2 Kommentare:

  1. Christof und ich denken auch, dass das Ananas ist. Gewinnen wir jetzt was? ;-)
    Tolles Wochenende hattest Du da offensichtlich.
    Gruss von hier unten.

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