Am 23.08.2012 ladet mein Körper um 14.30 am Hamburger Flughafen. Langsam folgt er den anderen Passagieren, am Kontrollpunkt regt er sich über einen jungen Herrn auf, der sich beschwerte warum das alles hier so lange dauere, am Gepäckband hat er eine nette Unterhaltung mit einem Studenten der befürchtet 2 Stangen Zigaretten nicht durch den Zoll zu bekommen und dann darf er mit tränenüberströmden Gesicht seine kleine Schwester drücken. Der Körper ist zurück, zurück zu Hause, wo er eigentlich hingehören sollte, aber irgendwie fühlt er sich leer und allein.
Am gleichen Abend trifft er, beim großen Familieessen mit Roulade, Rotkohl und Klößen, Oma und Opa, Tante und Onkel, Cousine und Cousin, Patenkind und natürlich Mama, Papa und Schwester. Es ist schön alle heil und gesund wieder zu sehen und zu wissen, dass es diesen Ort FAMILIE gibt, an dem man immer zu Hause ist - und trotzdem bleibt das Gefühl nicht vollständig zu sein.
Am Montag beginnt der jährliche Mädels-Urlaub. Fast alle schaffen es, trotz Schwangerschaft und Kind, trifft der Körper viele gute Freunde. Er freut sich die Geschichten der anderen zu hören und anwortet gerne auf Fragen, doch er hält sich zurück, beobachtet viel, hört aufmerksam zu, um möglichst viel mit zu bekommen, aufzunehmen und zu verarbeiten. Fischbrötchen, Grillen, Spaß haben und die Gemeinschaft genießen - doch imme noch nicht komplett.
Weiter geht die Reise des Körpers nach Berlin zur Schwester und ihrem Freund, zu Oma und Opa. Dann nach Hamburg: Geburtstagfeier von Rike (einer Mitfreiwilligen), Kiez, alte Freunde treffen und dann nach Essen zum Rückkehrer-Seminar.
Zu viele Erinnerungen und Gefühle kommen hoch. Überfoderung, Angst, Verlust, Traurigkeit. Zu viel um es zu verarbeiten, zu viel Uganda hier in Deutschland. Doch es wird besser, man fühlt sich mehr verstanden, viele haben ähnliche Probleme und Schwierigkeiten.
Gespräche und Zeit helfen. Der Kopf kommt dem Körper jedem Tag ein Stückchen näher und ist doch noch auf Reisen. Das Seminar stellt den Abschluss meines Jahres in Uganda dar. Mein Jahr ist vorbei! Doch was bedeutet das für mich? Ich weiß es noch nicht, aber es wird sich mit der Zeit herausstellen.
Dann geht es weiter nach Erfurt - WG-Suche. Viele Termine, viele Gespräche, viele Gesichter, viele Enttäuschungen, aber am Ende kann ich sagen: Ich habe eine tolle Wohnung mit super Mitbewohnern.
Jetzt bin ich wieder in Rostock. Papierkram, Termine, Arbeit, Strand, Familie und Ankommen.
Aber wie macht man das? Ankommen? Ich habe noch keinen Plan und auch noch keine Lösung, aber es wird besser.
Was mich überfordert:
- Supermärkte, besonders Tomaten kaufen
- Berliner Hauptbahnhof
- Essen
- Fahrrad fahren
- frieren
Was mir fehlt:
- Sonne
- Muzungu-Rufe
- ein ganz besonderer Mensch
- Alltag
Was ich toll finde:
- Freunde
- Familie
- meine Ostsee/ Rostock
- Feta-Käse
Was ich wieder lernen muss:
- Einkaufen
- auch ohne Sonne glücklich sein
- nicht zu frieren
- Deutsch reden
- organisieren
Ich hoffe ihr versteht mich nicht falsch. Ich freue mich wieder hier zu sein, euch wieder um mich zu haben, euch anzurufen, euch zu drücken, mit euch zu quatschen, aber es ist auch schwer für mich.
Auf Wiedersehen sagen für ein Jahr ist einfach als auf Wiedersehen sagen auf unbestimmte Zeit und vielleicht bei manchen für immer.
Ich habe in Uganda eine nicht nur eine Heimat für ein Jahr, sondern eine zweite Heimat gefunden. Ein Heimat, die mich überwältigt, mit Menschen, die mich begeistern, mit Kultur, die mich beeindruckt. Dieses Jahr hat mich geprägt und beeinflusst und wird mich nie wieder los lassen. Deswegen heißt es für mich nun lernen zwei Herzen in einer Brust zu tragen und sie in Einklag zu bringen.
Ich danke euch im Voraus schon für euer Verständnis, euer Einfühlungsvermögen und eure Geduld, denn die werdet ihr mir entgegen bringen, denn ihr seid die Menschen, die mich begeleiten und bewegen. Fragt wenn ich verwirrt herum laufe, nehmt mich an die Hand und zeigt mir den nächsten Schritt, wenn ich mich nicht mehr bewege.
Ich werde zurück kommen, Kopf und Körper zusammen, aber das wird seine Zeit brauchen.
Danke
eure Maggi
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