Dienstag, 3. Juli 2012

Tag 302: Krankheit und Reiselust

Hallo meine Lieben!

Wie versprochen gibt es wieder ein kleines Update für euch:
Für die ersten zwei Juni-Wochen sieht der allerdings etwas langweilig aus, da ich zwei Wochen krank im Bett lag. Amöbenruhe und Bilharziose haben mich völlig ausgeknockt. Wer mehr Interesse hat hier ein Link zu unserem Lieblings-Internetlexika Wikipedia: Amöbenruhr und Bilharziose. Aber nach dem die Ärzte nach vielen Untersuchungen und viel Geld mir endlich die richtigen Medikamente geben konnten, ging es mir auch relativ schnell wieder besser.
Deswegen konnten wir auch wie geplant am 14.06 unsere Reise nach Ruanda starten. Über Nacht geht es mit dem luxuriösesten Bus, den ich jemals gesehen hab, in 9,5h die rund 525 km von Kampala bis nach Kigali. Um 5.30 Uhr morgens finden wir uns dann etwas verknautscht in Ruanda wieder, wo wir trotz der frühen Stunde freundlich von unserer Couchsurfing-Gastgeberin in ihrem Elternhaus empfangen werden und uns erst nochmal für 2 Stunden aufs Ohr hauen. Gegen 10 Uhr machen wir uns dann etwas mehr erholt auf den Weg die Stadt zu erkunden. Schon am morgen hatten wir festgestellt, dass Ruanda sehr viel anders ist als Uganda. Hier mal eine kleine Liste mit den Unterschieden:
- Rechtsverkehr
- viele Ampel, die sogar einen Countdown anzeigen
- Straßenlaternen
- Straßennamen existieren, werden aber überhaupt nicht benutzt 
- leere Straßen, d.h. sowohl wenig Autos also auch Menschen
- Boda (Moto) fahren nur alleine und nur mit Helm erlaubt
- Bodapreise sind so gut wie nicht verhandelbar, dadurch wird man als Muzungu allerdings auch nicht beschissen
- saubere Straßen, alles wirkt ordentlich und organisiert
- sehr bergig
- grün, kaum staubig und fast ausschließlich geteerte Straßen
- keine Straßenverkäufer, kaum afrikanisches Fastfood und keine kleinen Stände am Straßenrand
- besser gekleidete Menschen
- wesentlich teurer
- keine Muzungu-Rufe (was, wie uns erklärt wurde, daran liegt, dass es ein Gesetz gibt, in dem es verboten ist Menschen in Rassen einzuteilen, was wiederum auf der Grundlage des Genozids entstand (auf den ich später noch eingehe)
- kleine, gemütliche Hauptstadt
- Leute mehr verschlossen, kühl und für sich, aber trotzdem immer hilfsbereit und freundlich
- sehr schlechtes Englisch, daher oftmals lustige Verständigung
- gut gewürztes Essen
- außerhalb der Stadt viele Leute zu Fuß unterwegs, auch im nirgendwo

Am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg zu einer der vielen etwas außerhalb liegenden Gedenkstätten des Genozids von 1994.
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kleine Geschichte:
1919 wurde in der Pariser Konferenz Ruanda offiziell zur belgischen Kolonie erklärt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Hutus und die Tutsis, die beiden größten Stämme in Ruanda, friedlich zusammen gelebt. Unter der belgischen Herrschaft wurden die Tutsis, als Herrenrasse bevorzugt und bevorteilt. Doch im Laufe der Zeit wollten die nun gut gebildeten Tutsi, die sowohl alle politischen und verwaltungstechnischen Ämter bekleideten, unabhängig von den Belgiern die Macht über Ruanda ausüben. Um die Tutsi-Monarchie zu unterbinden ersetzte die belgischen Kolonialherren die Hälfte der Machtpositionen mit Hutus. Der Hass, der bis dahin sowohl von belgischer als auch von Tutsi Seite aus unterdrücken Hutus, entlud sich in Vertreibungen und Gewaltausbrüchen gegen die Tutsi, die nun nicht mehr die Unterstützung der Kolonialherren genossen. Gewalt und Hass zogen sich von 1960 bis hin zum großen geplanten Genozid 1994. Insgesamt fielen bis zu 1 Million Menschen dem Völkermord in Ruanda zum Opfer, darunter hauptsächlich Tutsis.
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Der Besuch in der Gedenkstätte Ntarama war sehr ergreifend. Die dortige Kirche galt für die Tutsi als sicherer Fluchtort, an dem sie sich zu verstecken und zu schützen versuchten. Doch die geplante Ermordung aller Tutsi machte 1994 nicht einmal mehr vor Kirchen halt. Vor Ort findet man immer noch die Überreste der Vernichtung (Kleidung, Knochen und Gebrauchsgegenstände) wie damals verlassen.
Als wir die Gedenkstätte erreichten wurde gerade ein Fernseh-Interview mit einem damaligen Hutu-Soldat geführt, der in dieser Gegend getötet hatte und ebenfalls befand sich eine Gruppe von Verwandten auf dem die Gelände, die mit Zahnbürsten und Seife kürzlich gefundene Knochen von Opfern säuberten.
Zurück in Kigali besuchten wir das Museum des Genozids, das sehr gut aufgebaut ist, und konnten uns so über die geschichtlichen Hintergründe informieren.
Am nächsten Tag ging es dann schon weiter und wir hatten auch das Gefühl alles gesehen zu haben, was uns Kigali bieten kann. Nun ging es weiter zum Lake Kivu im Westen des Landes. WUNDERSCHÖN!!!
In einem ehemaligen Kloster, das zum Hotel umgebaut wurde, bekamen wir ein Plätzchen mit dem besten Blick auf den See. In dem kleinen Ort namens Kibuye wollten wir nun einfach mal nichts tun, was auch sehr einfach war, weil es einfach nichts zu tun oder zu sehen gibt. Das Leben dort kam mir deswegen etwas leblos vor, aber die Natur dort ist einfach toll. Nach zwei Tagen purer Erholung hieß es dann aber schon wieder Aufbruch und zurück nach Uganda.
Ruanda

Doch mit der Rückkehr nach Uganda war unser Urlaub noch längst nicht vorbei. Auf halben Wege nach Kampala machten wir Halt und besuchten unsere ugandische Familie auf dem Village. Nach der überschwänglichen Begrüßung von "Mama", "Papa" und "Geschwistern" gab es wir üblich den aus selbstangebauten und -getrockneten Kräutern zubereiteten Milchtee und ein wie immer reichhaltiges Abendessen. Am nächsten Tag wurde uns dann eine der größten Ehren erwiesen: Das Familienoberhaupt schenkte uns eine Ziege, als Zeichen der Dankbarkeit, für dass was wir für seine Familie getan haben. Traditionsgerecht wurde die Ziege dann auch sofort geschlachtet und für ein großes Abendessen gegrillt.
Am nächsten Tag besuchten wir dann noch eine weitere Schwester auf dem Internat und ließen den Abend mit gegrillten Mais-Wettessen ausklingen. Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen. Der erste Abschied aus Uganda... in nächster Zeit werden davon immer mehr auf mich zu kommen und irgendwie mag ich noch gar nicht so richtig daran denken.
Familienbesuch

Seit mehr als einer Woche sind wir nun wieder zurück auf Arbeit und mittlerweile haben wir die 20 Kindergrenze geknackt und das bedeutet jede Menge Arbeit. Vor uns liegen jetzt jedoch auch nur noch 5 Wochen Arbeit und so kann man den Stress trotz allem genießen.
Ausschnitte aus dem Alltag

Machts gut und bald kann ich euch wieder persönlich drücken!
Bleibt gesund und fröhlich bis dahin.
eure Maggi

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