Lang, lang ist´s her, aber ich lebe noch. Jetzt ist doch
wieder einige Zeit vergangen und ich habe es nicht geschafft zu schreiben. Das
heißt aber nicht, dass ich euch vergessen habe!
Meine letzten 3 Monate hier in Uganda sind angebrochen und
es steht noch viel auf dem Plan. Aber jetzt erst einmal zu den Geschehnissen
des letzten Monats.
Am Freitag (04.05) kommt wie angekündigt mein Bruder vorbei.
Zwar etwas später als geplant, aber das kennen wir ja nun schon von Uganda,
erreicht der Reisebus sein Ziel und Raphi kommt mit einem dicken Reiserucksack
bei mir an. Nach schnellem T-Shirt-Wechsel stürzen wir uns auch sofort in den
Freitagabend. Zwei ugandische Musiker haben ein großes Battle angesagt, zu dem
wir eigentlich wollen, doch daraus wird leider nichts. Die Straßen vor dem
Veranstaltungsgelände sind überfüllt, die Tickets ausverkauft und selbst mit
Karte kommt man nicht mehr aufs Gelände. So heißt es nach einstündigem
Probieren und Beraten weiter zu Plan B - Clubnacht. Da Raphi schon zwei Monate
in Kenia verbracht hat ist er mit der Tanz- und Erzählkultur schon bestens
bekannt und wir können einen guten Abend bei ugandischem Bier und ugandischer Party-Musik
genießen.
Am darauffolgenden Tag kommt dann der nächste „Besuch“ an. Ami und
Liz (zwei Mädels aus Liverpool) sind nun schon seit 4 Wochen unsere neuen Mitbewohnerinnen
und Mitarbeiterinnen. Durchs Willkommen heißen bin ich leider verhindert und Raphi macht zusammen mit Scoff eine Stadttour unter Männern. Am Samstag gehen wir uns Rugby angucken,
Heuschrecken essen (hier ist nur noch ein Beinchen übrig)
am Sonntag steht dann
Frisbee auf dem Programm und natürlich wird mein Bruder von allen eingeladen.
Mit gutem Gewissen lass ich die Jungs alleine losziehen und dann… Mein Handy
klingelt und eine unbekannte Stimme sagt mir das mein Bruder ok ist, aber grade
ausgeknocked wurde und ob ich vielleicht vorbeikommen kann. So schnell bin ich
noch nie durch Kyebando gerannt (nicht mal wenn ich Jogge)! Als ich auf dem
Frisbeefeld ankomme sieht Raphi schon wieder ganz gut aus, außer einer
angeschwollenen Wange und Gedächtnislücken. Nach dem ersten Schock mach ich mich
auf die Suche nach Eis zum Kühlen – in UGANDA! Kühlpack in der Apotheke?
Fehlanzeige. Zum Glück hat der Supermarkt um die Ecke Eiswürfel. Für Raphi
heißt es jetzt für den Rest des Abends nur noch ab ins Bett und erholen und
auch ich falle in die Falle, denn ab morgen heißt es wieder um 6 Uhr aufstehen.
Der Rest der Woche verläuft eher ruhig: tagsüber arbeiten, abends gemeinsame
Arbeitsessen, Kino und mit Freunden treffen.
Am Wochenende trennen sich unsere Wege dann schon wieder für eine kurze Zeit. Julia und ich fahren nach Kumi (ein kleines Dorf im Osten),
um Freunde zu besuchen, die dortigen Rock-Painting´s zu besichtigen und
Local-Broth zu testen (ein aus Getreide gebrautes, alkoholisches, warmes
Getränk, dass ich nicht unbedingt empfehlen kann. Aber das Zusammensitzen sieht lustig aus und
ist gemütlich.).
Raphi fährt auf die Ssese-Inseln im Victoria-See, um zu
entspannen.
Am Sonntag lasse ich Julia in Kumi zurück (Branch-Exchange) und somit
geh ich die Woche mit Raphi zusammen auf Arbeit. Der Umgang mit Kindern fällt
meinem Bruder nicht schwer und somit haben wir zusammen mit den Kindern eine
Menge Spaß und abends machen wir mit (nun schon) unseren Freunden die Stadt unsicher.
Die nächste Woche verbringt mein Bruder mit Reisen und ich mit Arbeiten. Am
Freitag machen wir uns gemeinsam auf nach Busia, einem kleinen Ort an der
ugandisch-kenianischen Grenze. Auch dort habe ich Mitfreiwillige und so haben
wir eine nette Unterkunft. Neben der Organisation des Bustickets beschäftigen
wir uns hauptsächlich mit der Suche nach schönen Stoffen, um uns daraus Hosen
schneidern zu lassen. Die Haupttransportmittel in Busia sind Fahrrad-Bodas. Doch wer meinen Bruder kennt, weiß es ist wie man in Uganda sagen würde ein wenig disturbing ;) und so fährt er stets die eigetnlichen Fahrer selbst durch die Gegend.
Am Sonntag heißt es dann Abschied nehmen. Ein komisches
Gefühl seinen Bruder in Uganda zu treffen und ein noch seltsameres Gefühl ihm
wieder Tschüss zu sagen und ihn erst in Deutschland, in gewohnter Umgebung,
wieder zu sehen. Aber: Danke für die schöne Zeit!
Ich bin froh und glücklich, dass Raphi hier war. Die Zeit
war spaßig und interessant und ich glaube, dass er einen guten Einblick in
meinen Alltag und meinen Freundeskreis bekommen hat und ich somit einen „Verbündeten“
habe, der mich ein wenig besser versteht, wenn ich zurück in Deutschland komische
Sachen erzähle.
Nun ist schon wieder eine Woche vergangen, seit dem Raphi
nach Kenia aufgebrochen ist, und es gibt nicht viel Außergewöhnliches zu
erzählen.
Auf Arbeit haben auch wir jetzt eine Schuluniform. In Uganda
ist es an staatlichen Schulen und auch an vielen privaten Schulen Pflicht eine
Schuluniform zu tragen und so reihen wir uns jetzt auch mit ein. Die Kinder sind teilweise richtig stolz auf ihre Uniform.
Ich persönlich bin kein großer Fan davon. Natürlich schafft es ein
Zusammengehörigkeitsgefühl, aber es nimmt auch einen großen Teil der
Individualität. Aber zum Glück läuft in Uganda alles etwas langsamer, so dass nicht
alle Uniformen auf einmal fertig sind und uns immer noch täglich einen
buntgemischten Haufen an Kindern auf Arbeit erwartet.
Ich werde euch diesmal nicht verraten was in den nächsten
Wochen passiert, aber ich werde mich nicht vor Ende Juni melden.
Ich hab euch alle lieb!
Bis schon ganz bald
eure Maggi
PS: Bitte sendet keine Pakete mehr (falls ihr es geplant
habt), zurzeit braucht die Post übermäßig lang und ein Paket von Mitte April
ist immer noch nicht da.
Yoga Noi (Ateso: "Hallo/guten Tag)!
AntwortenLöschenich bin durch Zufall hier gelandet, und habe das ganze Blog in einer Stunde durchgelesen! Super spannend!
Ich war vom 18.05-30.05 in Kumi und habe dort auch Frank vom Red Cross kennengelert. Ajun (das selbstgebraute Bier) ist auch nicht so mein Ding :-), aber ich habe jetzt schon Heimweh. Ich beneide dich das du noch einige Wochen dort hast!
Eyallama Noi (Atesso: "vielen Dank") für das schöne Blog!
Wenn dich interessiert was ich in Uganda gemacht habe: http://www.mitten-im-web.de/palex/
Gruß
Opio Max