Freitag, 1. Juni 2012

Tag 270: Familientreffen in Uganda


Lang, lang ist´s her, aber ich lebe noch. Jetzt ist doch wieder einige Zeit vergangen und ich habe es nicht geschafft zu schreiben. Das heißt aber nicht, dass ich euch vergessen habe!
Meine letzten 3 Monate hier in Uganda sind angebrochen und es steht noch viel auf dem Plan. Aber jetzt erst einmal zu den Geschehnissen des letzten Monats.

Am Freitag (04.05) kommt wie angekündigt mein Bruder vorbei. Zwar etwas später als geplant, aber das kennen wir ja nun schon von Uganda, erreicht der Reisebus sein Ziel und Raphi kommt mit einem dicken Reiserucksack bei mir an. Nach schnellem T-Shirt-Wechsel stürzen wir uns auch sofort in den Freitagabend. Zwei ugandische Musiker haben ein großes Battle angesagt, zu dem wir eigentlich wollen, doch daraus wird leider nichts. Die Straßen vor dem Veranstaltungsgelände sind überfüllt, die Tickets ausverkauft und selbst mit Karte kommt man nicht mehr aufs Gelände. So heißt es nach einstündigem Probieren und Beraten weiter zu Plan B - Clubnacht. Da Raphi schon zwei Monate in Kenia verbracht hat ist er mit der Tanz- und Erzählkultur schon bestens bekannt und wir können einen guten Abend bei ugandischem Bier und ugandischer Party-Musik genießen. 
Am darauffolgenden Tag kommt dann der nächste „Besuch“ an. Ami und Liz (zwei Mädels aus Liverpool) sind nun schon seit 4 Wochen unsere neuen Mitbewohnerinnen und Mitarbeiterinnen. Durchs Willkommen heißen bin ich leider verhindert und Raphi macht zusammen mit Scoff eine Stadttour unter Männern. Am Samstag gehen wir uns Rugby angucken, 
Heuschrecken essen (hier ist nur noch ein Beinchen übrig)

am Sonntag steht dann Frisbee auf dem Programm und natürlich wird mein Bruder von allen eingeladen.
Mit gutem Gewissen lass ich die Jungs alleine losziehen und dann… Mein Handy klingelt und eine unbekannte Stimme sagt mir das mein Bruder ok ist, aber grade ausgeknocked wurde und ob ich vielleicht vorbeikommen kann. So schnell bin ich noch nie durch Kyebando gerannt (nicht mal wenn ich Jogge)! Als ich auf dem Frisbeefeld ankomme sieht Raphi schon wieder ganz gut aus, außer einer angeschwollenen Wange und Gedächtnislücken. Nach dem ersten Schock mach ich mich auf die Suche nach Eis zum Kühlen – in UGANDA! Kühlpack in der Apotheke? Fehlanzeige. Zum Glück hat der Supermarkt um die Ecke Eiswürfel. Für Raphi heißt es jetzt für den Rest des Abends nur noch ab ins Bett und erholen und auch ich falle in die Falle, denn ab morgen heißt es wieder um 6 Uhr aufstehen. 
Der Rest der Woche verläuft eher ruhig: tagsüber arbeiten, abends gemeinsame Arbeitsessen, Kino und mit Freunden treffen.
Am Wochenende trennen sich unsere Wege dann schon wieder für eine kurze Zeit. Julia und ich fahren nach Kumi (ein kleines Dorf im Osten), um Freunde zu besuchen, die dortigen Rock-Painting´s zu besichtigen und Local-Broth zu testen (ein aus Getreide gebrautes, alkoholisches, warmes Getränk, dass ich nicht unbedingt empfehlen kann. Aber das Zusammensitzen sieht lustig aus und ist gemütlich.). 
Raphi fährt auf die Ssese-Inseln im Victoria-See, um zu entspannen.
Am Sonntag lasse ich Julia in Kumi zurück (Branch-Exchange) und somit geh ich die Woche mit Raphi zusammen auf Arbeit. Der Umgang mit Kindern fällt meinem Bruder nicht schwer und somit haben wir zusammen mit den Kindern eine Menge Spaß und abends machen wir mit (nun schon) unseren Freunden die Stadt unsicher.
Die nächste Woche verbringt mein Bruder mit Reisen und ich mit Arbeiten. Am Freitag machen wir uns gemeinsam auf nach Busia, einem kleinen Ort an der ugandisch-kenianischen Grenze. Auch dort habe ich Mitfreiwillige und so haben wir eine nette Unterkunft. Neben der Organisation des Bustickets beschäftigen wir uns hauptsächlich mit der Suche nach schönen Stoffen, um uns daraus Hosen schneidern zu lassen. Die Haupttransportmittel in Busia sind Fahrrad-Bodas. Doch wer meinen Bruder kennt, weiß es ist wie man in Uganda sagen würde ein wenig disturbing ;) und so fährt er stets die eigetnlichen Fahrer selbst durch die Gegend. 
Am Sonntag heißt es dann Abschied nehmen. Ein komisches Gefühl seinen Bruder in Uganda zu treffen und ein noch seltsameres Gefühl ihm wieder Tschüss zu sagen und ihn erst in Deutschland, in gewohnter Umgebung, wieder zu sehen. Aber: Danke für die schöne Zeit!

Ich bin froh und glücklich, dass Raphi hier war. Die Zeit war spaßig und interessant und ich glaube, dass er einen guten Einblick in meinen Alltag und meinen Freundeskreis bekommen hat und ich somit einen „Verbündeten“ habe, der mich ein wenig besser versteht, wenn ich zurück in Deutschland komische Sachen erzähle.

Nun ist schon wieder eine Woche vergangen, seit dem Raphi nach Kenia aufgebrochen ist, und es gibt nicht viel Außergewöhnliches zu erzählen. 
Auf Arbeit haben auch wir jetzt eine Schuluniform. In Uganda ist es an staatlichen Schulen und auch an vielen privaten Schulen Pflicht eine Schuluniform zu tragen und so reihen wir uns jetzt auch mit ein. Die Kinder sind teilweise richtig stolz auf ihre Uniform. 
Ich persönlich bin kein großer Fan davon. Natürlich schafft es ein Zusammengehörigkeitsgefühl, aber es nimmt auch einen großen Teil der Individualität. Aber zum Glück läuft in Uganda alles etwas langsamer, so dass nicht alle Uniformen auf einmal fertig sind und uns immer noch täglich einen buntgemischten Haufen an Kindern auf Arbeit erwartet.

Ich werde euch diesmal nicht verraten was in den nächsten Wochen passiert, aber ich werde mich nicht vor Ende Juni melden.

Ich hab euch alle lieb!
Bis schon ganz bald
eure Maggi

PS: Bitte sendet keine Pakete mehr (falls ihr es geplant habt), zurzeit braucht die Post übermäßig lang und ein Paket von Mitte April ist immer noch nicht da.

1 Kommentar:

  1. Yoga Noi (Ateso: "Hallo/guten Tag)!

    ich bin durch Zufall hier gelandet, und habe das ganze Blog in einer Stunde durchgelesen! Super spannend!

    Ich war vom 18.05-30.05 in Kumi und habe dort auch Frank vom Red Cross kennengelert. Ajun (das selbstgebraute Bier) ist auch nicht so mein Ding :-), aber ich habe jetzt schon Heimweh. Ich beneide dich das du noch einige Wochen dort hast!

    Eyallama Noi (Atesso: "vielen Dank") für das schöne Blog!

    Wenn dich interessiert was ich in Uganda gemacht habe: http://www.mitten-im-web.de/palex/

    Gruß

    Opio Max

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