Samstag, 1. Oktober 2011

Tag 26: Alltag oder doch was ganz anderes


Obwohl man ja eigentlich vermuten könnte, dass in einer Arbeitswoche nach einer bestimmten Zeit Routine eintritt, kann ich das von meinen Leben hier in Kampala nicht behaupten. Selbst wenn die Morgenstunden und die Arbeit an sich sehr durchgeplant und strukturiert sind, erwarten einen immer wieder Überraschungen. Kein Strom am Morgen, also eine kalte Dusche zum Tagesauftakt; neue Kinder, die plötzlich einfach so in der Tür stehen und keiner weiß Bescheid; ein Meeting aller Mitarbeiter mitten am Tag, dass den ganzen Tagesplan durcheinander wirft; …
Ein plötzlicher Regenschauer auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Es war einfach wunderschön! Ein warmer, aber kräftiger Regen, der uns bis auf die Knochen durchnässte. In Uganda sind die Straßen wie leer gefegt, wenn es regnet. Keine Menschen, keine Bodas, keine Tiere. Alle zwei Meter wurden wir aufgefordert uns doch unterzustellen und auf unsere Aussagen:“We enjoy the rain!“ gab es nur verständnislose Blicke. 


Zu Hause angekommen, trockneten wir uns ab, genossen eine warme Dusche und versuchten uns an unserer ersten Jackfruit.
Ja, eine Jackfruit, eine sehr sonderbare, große und besonders schwere Frucht, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Es war wirklich Arbeit das Fruchtfleisch aus dem Gewirr der Latexstränge zu befreien. 


Meine Hände klebten wie verrückt und selbst mit Nagellackentfernen war dem Zeug nichts anzuhaben. Schließlich befreite mich Michael mit Hilfe seines Boda-Benzins von der Klebe, bevor er uns zum Luganda-Unterricht brachte. Die Jackfruit hat einen sehr eigenen Geschmack, den ich schwer beschreiben kann. Es schmeckt süß und exotisch. Sorry, geht echt nicht besserJ
Nach dem Luganda-Kurs trafen wir uns mit den Mukisa-Mädels (5 Mädels aus Deutschland) und unserer Chefin Florence zum Essen im Casablanca. Wieder eine neue Erfahrung: Sehr langes Warten, auf sehr spezielles Essen und sehr interessante Getränke. Mein neuer Favorit, den es aber nur zu besonderen Anlässen geben soll, sonst bleibt es ja nichts besonders. Schwarzer Tee mit African spice! Der normale afrikanische Schwarztee mit einer Gewürzmischung aus Ingwer, Zimt und Kardamon sowie Zucker und Milch. Echt ein unglaubliches Geschmackserlebnis. Das Essen wurde auf einer riesigen Metallplatte (Durchmesser ca. 30cm) serviert, die mit einen schwammartigen Essigteig belegt war, auf dem sich verschiedene vegetarische Dips befanden. Das Fleischgericht, als Familienportion, kam in einem Bastkorb, in dem im Wechsel Essigteig mit Fleisch und Gemüse geschichtet war. Gegessen wurde ausschließlich mit den Händen. Nach einem super schönen und interessanten Abend mit spannenden Geschichten von Florence´s Freiwilligendienst in England und einem Haufen an Nachfragen über das Leben in Uganda von uns, fuhr sie uns um 12 Uhr nachts nach Hause (zu 9 auf 7 Plätzen). Das Aufstehen am nächsten morgen um 7Uhr war etwas anstrengend, aber trotzdem machten wir uns nach der Arbeit auf dem Weg zum nahegelegenen Hotel. Dort wollten wir eigentlich schwimmen gehen. Im Hotel liefen wir einem Dutzend Muzungus über den Weg und er sah schon ziemlich deluxe aus. 30.000 UGX (= 7,50€) kosten Schwimmen, Fitnessstudio und Sauna für einen ganzen Tag erklärte uns der nette Mann hinter der Rezeption. Da es aber leider keine Stundenkarte gab, sahen wir uns das ganze Gelände nur an und machen uns dann auf dem Weg zum Supermarkt. Mit 5l Wasser ging es dann nach Hause. PC an, Mails abrufen und eine Mail von der deutschen Botschaft … eine Einladung zum Tag der Deutschen Einheit! Ein Treffen für alle Deutschen die sich zurzeit in Uganda aufhalten, um bei Freibier gemeinsam an die Heimat zu denken. Und alle Freiwilligen von uns wollen dabei sein! Also hieß es am Freitag auf Arbeit Florence fragen, ob wir Leute einladen dürfen, uns für Dienstag freinehmen und einkaufen, damit alle versorgt sind. Die ersten Gäste, Jandra und Frank aus Kumi, trafen dann schon unerwartet am Freitagabend ein, leider auch aus weniger erfreulichen Gründen – Krankheit. Unser Krankenzimmer ist damit das erste Mal in Gebrauch.
Heute Morgen hieß es für Julia und mich, trotz Wochenende, aufstehen und zur Arbeit, denn wir hatten eine Elternversammlung, von der wir auch erst am Freitag erfuhren. Als wir um 9 Uhr im Dawn-Center erschienen waren, typisch afrikanisch, erst 4 der 10 Mitarbeiter da und auch die Eltern erschienen frühestens eine halbe Stunde nach der festgelegten Uhrzeit, so dass wir unpünktlich eine Stunde später mit der Versammlung starten konnte. Der Ablauf ähnelte allerdings einem typischen deutschen Elternabend. Bring- und Abholzeiten, verschollene Kleidungsstücke, Geld und Feiertage. Nach getaner Arbeit machten wir uns zu Fuß auf den Heimweg, erledigten noch die letzten Besorgungen und kamen fast trocken zu Hause an, bevor es die nächsten zwei Stunden regnete.
Inzwischen ist es abends und nun heißt es noch einmal die Wohnung aufräumen und Platz schaffen, denn es wird voll. 8 Schlafplätze sollen entstehen. Das wird ein riesen Spaß und ich freue mich auf das Wiedersehen, die gemeinsame Zeit und natürlich die Party am Montagabend. Freut euch auf den spannenden Bericht! Ich drücke euch
Die Maggi

1 Kommentar:

  1. Nun muss ich aber mal Kritik äußern. Das Wet-T-Shirt-Projekt funtkioniert nur mit weißen T-Shirts! :)
    Aber wieso haben die Einheimischen "Angst" vorm Regen? Kann vielleicht schnell ausarten und gefährlich werden?
    Diese "Jackfruit" ist übrigens das Ei einer außerirdischen Lebensform. Du hast eine in einem sehr frühen Stadium erwischt. Da sind sie noch mehr oder weniger genießbar. Allerdings muss man damit rechnen infiziert bzw. befruchtet zu werden. Sag Bescheid wenn sich ein etwa birnengroßer Sack an deinen Waden bildet. Dann geb ich dir die Adressen der einschlägigen Foren. ;)
    Und nun freu ich mich auf den spannenden Bericht von der Party, der sicher sehr kurz werden wird, da du dich an nichts mehr erinnern kannst. ;)

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