Montag, 12. September 2011

7. Tag: do you want to pray?

Als guter Katholik startete unser Sonntag um 8.30 mit einem Frühstück. Anschließend ging es mit dem Boda zur Watoto-Church (Watoto (Swahili) = Kinder), einer frei-christlichen Kirche. Die Messer sollte um 10 Uhr anfangen und so fanden wir (Julie, Julia und ich) uns um 9.45 Uhr vor der Kirche ein, die unauffällig in der Stadt liegt. Zu erst fiel mein Blick auf eine Masse an Menschen, die vor den Toren wartete, so viele Leute hab ich leider selten vor einer Kirche warten sehen. Wir passierten den Metalldetektor (ja wirklich:)) und stellten uns an. Von drinnen hörte ich Musik, die vorherige Messe lief noch, doch die Befürchtung jetzt eine Gasse bilden zu müssen, um die Massen von drinnen raus zu lassen, erwies sich zum Glück als unbegründet. Von schlauen Organisatoren geplant, gab es einen extra Ausgang und so konnten wir, getragen von einer riesigen Masse die Kirche betreten, die nicht viel von einer herkömmlichen uns bekannten Kirche hatte.Sitzbänke waren da, aber  der "Altarraum" war mit Stufen aufgebaut, auf denen ca. 30 Sänger und Sängerinnen standen. In der Mitte stand in einem Glaskasten ein Schlagzeug, es gab zwei Gitarristen und 3 Solo-Sänger. Die Messe startete und der Priester begann mit den Worte "Do you want to pray?", alle standen auf und klatschten und Julia neben mir bemerkte "wirkt irgendwie mehr wie ein Konzert!" 2 Stunden Messe mit Musik, lautstarker Predigt und viel klatschen und Gejubel hinterließen einen sehr emotionalen Eindruck bei mir.


Im Anschluss an die Kirche hatten wir geplant unsere Mitfreiwilligen in Kampala, in einer Einrichtung für behinderte Kinder und deren Mütter namens Mukisa, zu Besuch und den Weg dorthin mit einem Matatu (na wer weiß noch was das ist?) zu meistern, was sich dann jedoch als schwieriger herausstellte als gedacht. Vor der Kirche standen zwar eine Menge Matatus, die aber alle nicht in das von uns gewünschte Viertel Mengo fuhren. So wurden wir freundlich auf den Taxi-Park ganz in der Nähe verwiesen. Nach 5 Minuten Fußweg erreichten wir den besagten Taxi-Park und ganz ehrlich ich war wirklich überfordert. Von allen Seiten kamen Leute, die dich als Mitfahrer an werben, dir Uhren, Chips oder Getränke verkaufen oder dich heiraten wollten. Ich muss aber auf der anderen Seite sagen, dass man immer sehr freundlich behandelt wird wenn man fragt und so wurden wir von einem Ugander quer über den riesigen Platz geführt, zwischen eng zusammen stehenden Kleinbussen hindurch, zu dem Bereich, in dem die Matatus nach Mengo fahren. Wir fanden eins was schon fast voll besetzt war (was sehr wichtig ist, denn die Matatus fahren erst los, wenn sie voll sind, d.h. wenn du dich in ein leeres setzt und keiner mehr dazu kommst kannst du auch gerne 2 Stunden warten) und so ging es los in eine für uns völlig unbekannte Gegend. Wir wurden aber an der richtigen Stelle abgesetzt, so dass Steffi und Leoni uns aufgabeln konnten und wir einen schönen deutschen Abend zu sechst verbringen konnten (Steffi und Leoni haben noch zwei weitere deutsche Mitbewohnerinnen). Abends ließen wir uns, auch weil es schon dunkel war und man dann bekanntlich ja mehr aufpassen soll, von Michael abholen und fielen glücklich und auch ein wenig aufgeregt ins Bett.
Denn heute war unser erster richtiger Arbeitstag!
Um 7 Uhr klingelte der Wecker. Pünktlich um acht standen wir im Dawn-Center, wo schon die ersten Kinder im Gemeinschaftsraum eingetroffen waren. Ein erster Rundumblick, auf die Kinder zugehen und begrüßen, ergründen wer was hat und was kann. Es war unglaublich viel neues und trotzdem war man irgendwie gleich mitten drin. Berührungsängste? Höchstens von unserer Seite.
Hier eine kurze Übersicht über den Tagesablauf:
- ab 7 Uhr: Ankommen (Fernsehen und Spielen)
- 8.30 Uhr: Geschichte und Singen
- 9.15 Uhr: Frühstück
- 10 Uhr: Unterricht und Spielen (Fernseher läuft)
- 12 Uhr: Centers (Kreisbetrieb mit verschieden Spielstationen: Musik, Bücher, Autos, Steckspiele)
- 13 Uhr: Mittag
- anschließend Baden und Schlafen
- 15 Uhr: Spielen und Fernsehen
Heute habe ich beim "Unterricht" für die autistischen Kinder mitgeholfen. Bilder den dazugehörigen Dingen zuordnen und Kontaktaufnahme mit anderen Kindern üben. Außerdem war ich fürs Baden mit eingeteilt.
Meine ersten Erfahrungen ein spatisches Kind aus und wieder an zuziehen. Es ist echt überhaupt nicht einfach, aber ich denke man bekommt eine Routine. Die Unterschiedlichkeit der Kinder ist glaub ich mit das beeindruckenste. Kinder, die sich gar nicht bewegen können, aber geistig komplett da sind. Kinder, die körperlich fit sind, aber kaum reden können. Kinder in ihrer eigenen Welt und andere, die darin gefangen sind. Immer wieder eine Umstellung beim Kontakt mit einem anderen Kind.
Für mich ist es gerade sehr schwer meine Beobachtungen und Wahrnehmungen zu beschreiben, wenn also Fragen offen bleiben, einfach her damit! Aber ihr werdet in nächster Zeit bestimmt noch so einiges über meine Arbeit hier erfahren, denn dies macht ja auch den Großteil meiner Woche aus. Eins kann ich aber nach dem heutigen ersten Tag sagen: Es macht Spaß mit Kinder mit Behidnerungen zu arbeiten, es ist immer wieder eine Herausforderung und genau das macht es so interessant.
Mit diesen Worten verabschiede ich mich für heute und freue mich auf den morgigen Tag.
Drück euch alle ganz lieb!
eure Maggi

PS: Wer noch mehr Interesse an der Kirche hat: http://www.watotochurch.com/
Nächsten Sonntag hab ich geplant, die Lieder mit dem MP3-Player aufzunehmen, um euch ein wenig ein Gefühl zu vermitteln.

3 Kommentare:

  1. hallo liebe Maggi,
    es ist schön, von Dir und deinen Erlebnissen so interessant zu hören und vor allem, dass es Dir gut geht geht und Du Freude an dem hast, was Du tust: Pass auf Dich auf und bleib Du selbst, wir haben Dich lieb!
    Mama & Papa

    AntwortenLöschen
  2. so maggi,
    ich habe mich jetzt bis hierher durchgewuselt und bin richtig neugierig geworden, wie es weitergeht.
    ich bin stolz auf dich und freue mich, dass bis jetzt alles gut läuft. kakerlaken und stromausfälle gehören dazu, schließlich wäre afrika sonst nicht so wie wir es uns vorstellen. ;)
    und weil ich nun auch "cookies von drittanbietern" akzeptiere, kann ich auch endlich hier kommentieren. also tipp für alle, die immer nur das kommentarfeld sehen. ;)
    bin gespannt wie es weitergeht und wünsch dir viel spaß bei der arbeit und viel spontanität beim leben.

    AntwortenLöschen
  3. hier ist es übrigens grad 18:15 und nicht 9:15, sonst wäre ich wohl in japan oder so. ;)

    AntwortenLöschen